Liebes Jahr 2011,
ja, ich weiß, die Silvesternacht war schon immer eine Falle, die weismacht, dass etwas Neues beginnt.  Also, wenn ich dich jetzt so anschaue, liebes Jahr 2011, so stelle ich fest, du warst durchwachsen.  Du warst ein ganzes Jahr von der Sorte April, eines,  in dem man ahnte, dass hinter der nächsten Ecke ein neuer Zustand wartet und es oft nicht um den Zustand an sich geht,  sondern um das Durchhalten, das einmal gemacht haben, das Akzeptieren, das in Angriff nehmen. Kannst du mir eigentlich mal erklären,  warum die ganze Zeit außen herum ein Geschwindigkeitswettbewerb auf allen Ebenen stattfand,  warum du eine Katastrophe nach der anderen über den blauen Planeten geschickt hast und immer wieder mit neuen Schreckensnachrichten aufwartetest?  Bis auf den arabischen Frühling warst du ein Jahr voller Terror und Finsternis. Und ja, auch voller Trauer.
Liebes neues Jahr 2012,  bitte tu dein Bestes dafür,  damit das bei dir nicht passiert.  Danke.
Ach du.  Eigentlich weiß ich ja, dass das alles gut wird mit uns, dass wir uns gut verstehen werden, und dass alles ganz wunderbar sein wird.  Meistens jedenfalls.  Und seit gestern morgen weiß ich auch wieder genau, dass ich auch 2012 eine Menge Musik haben werde und Kunst.  Und Zeit für Freunde und Treffen mit Bands,  Zeit für Nachtprogramme und Juliwochenenden,  für fesselnde Bücher und Schabernack.
Also  dann – jetzt schnell weiter ins Neue, und nicht mehr umdrehen.